Pokorny

Bericht von der Weltmeisterschaft in Bergen (Norwegen)

Nun war es endlich soweit, die Zeit der Vorbereitung war vorbei. Nachdem wir am 26.07.04 unseren Transporter (Leihgabe des WSV Neustrelitz - DANKE-) mit Paddeln, Rucksäcken, Nationalmannschaftsbekleidung, Verpflegung und 5 Booten auf dem Dach beladen hatten, machten wir uns am 27.07. auf den Weg nach Norwegen.
Das Unternehmen Weltmeisterschaft trat in seine heisse Phase, nun musste sich erweisen, wie weit sich das harte Training mit hunderten von gepaddelten und gelaufenen Kilometern auszahlen würde.
Unsere Reiseroute ging von Berlin nach Hanstholm (Dänemark) und von dort mit der Fähre bis nach Bergen. Die Fähre sollte am 27.07. um 23.00 Uhr in Hanstholm ablegen. Wir rechneten mit einer Fahrzeit bis zur Fähre von ca. 10 Stunden und fuhren gegen 11.00 Uhr gemütlich los, um unterwegs noch Zeit für ein Picknick zu haben. Leider mussten wir unfreiwillig unsere 1. Pause schon nach ca. 1 Stunde (kurz hinter dem Rasthof Stolper Heide) einlegen, -geplatzter rechter Hinterreifen, Gepäck raus, Reifenwechsel, ab nach Hennigsdorf, Reifenservice suchen, neuen Reifen montieren, und zurück auf die Autobahn, Zeitverlust 2 Stunden - damit hatte sich auch das Picknick erledigt. Die Fähre haben wir dann noch gerade geschafft. Nacht auf der Fähre wurden wir wach- nicht von lauten Motorengeräuschen-nein absolute Stille-Aufklärung am Morgen-Motorschaden. Mit 1,5 Stunden Verspätung sind wir dann am 28.07. in Bergen angekommen.

Gleich am Nachmittag ging es dann zum Training- Strecke kennenlernen und die von der Anreise müden Knochen in Schwung bringen. Bis zur Eröffnungsfeier am 30.07. haben wir jeden Tag trainiert und uns mit den Schwierigkeiten der Strecke vertraut gemacht, - enge Durchfahrten, Felsen, Wind.
Die feierliche Eröffnungsveranstaltung fand auf dem Marktplatz von Bergen unter großer Anteilnahme von Einwohnern, Besuchern und Touristen statt (Ist schon ein irres Gefühl für Deutschland zu starten). Natürlich hatten wir auch kurz Zeit uns Bergen anzusehen - tolle Stadt, nette Leute, viele Touristen, geile Yachten im Hafen, super Fischmarkt.
Die Regattastrecke lag im Park der norwegischen Königsfamilie, die ihren Park (Gamelhausen?) für die Besucher und Teilnehmer der WM freigegeben hatte. Die Wettkampfstrecke umfasste für den Juniorenbereich eine kleine Runde von ca. 4,5 km und 2 große Runden von je 8 km mit 2 Portagen (siehe auch Fotos in der Galerie). Die Leisungsklassen Damen und Herren mussten noch 2 große Runden drauflegen. Die Portagen waren Stegportagen, d.h. an den Steg fahren, Boot raus, ca. 150 m laufen, Boot rein, einsteigen und weiterfahren. Am 31.07. fanden alle Einerrennen und am 01.08. alle Zweierrennen statt.

Am 01.08. wurde es nun für uns ernst, die Aufregung vor dem Start hatte sich nach den ersten Metern gelegt, wir hatten einen super Start und konnten die ersten 1000 m in der Führungsgruppe mitfahren.Dann zog der spanische Zweier von außen quer durch das Feld und blockierte unseren Fahrtweg, wir hatten Probleme die Balance zu halten und mussten wieder neu anfahren, was uns unheimlich viel Kraft kostete. Die ersten 15 Boote waren in dieser Zeit an uns vorbei, eine Aufholjagd war angesagt, kaum wieder am Feld zog die Führungsgruppe (jetzt noch 13 Boote) einen Zwischenspurt an und war wieder ein paar Meter weit weg, um den Anschluss nicht ganz zu verlieren, mussten wir ein sehr hohes Tempo fahren und viel Kraft aufwenden. Nach etwa 5 km hatten wir uns an die Gruppe herangekämpft und lagen auf Platz 7. Die Portagen liefen eigentlich ganz gut, obwohl der Steg inzwischen sehr nass und glitschig geworden war. Leider hatte uns unsere Aufholjagd und das ständige Rankämpfen soviel Kraft gekostet, dass wir nicht mehr in den Endkampf eingreifen konnten und die Führungsgruppe ziehen lassen mussten. Wir waren trotzdem mit unserem Rennen zufrieden, wir haben alles gegeben und sind immerhin 11. von 25 Booten aus 16 Nationen geworden.
Für jemanden der keinen Leistungssport betreibt, hört sich sicher ein 11. Platz (in Deutschland zählen leider nur Siege) nicht so toll an, aber fahrt mal 21 km in 1Std. und 27 min. und steigt dabei noch zweimal aus dem Boot, rennt 150 m und fahrt dann weiter.

Was mir sonst noch aufgefallen ist, dass die Nationen die hier vorn waren, wie die Spanier, die Ungarn, die Briten, die Italiener und auch die Norweger eine bessere Ausstattung und Unterstützung, sowohl was die Betreuung als auch das Material betrifft, hatten ( wir hatten z.B. ein Boot was ca. 6 kg mehr wog als vorgeschreiben, dieses Gewicht mussten wir zusätzlich über die Strecke bringen).
Auch die mannschaftliche Geschlossenheit fand ich total super, bei uns ist es leider so, dass wir uns im Prinzip erst in Bergen kennengelernt haben, da es keine gemeinsamen Trainingslager (wie im Rennsport) in Vorbereitung eines solchen Höhepunktes gibt. Leider hat der Kanumarathon bei uns keinen so hohen Stellenwert, wie in den anderen Nationen; aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Am Abend des 01.08. fand die Abschlussveranstaltung einer gelungenen Kanumarathon-Weltmeisterschaft 2004 wieder auf dem Marktplatz von Bergen statt, wo der symbolische Staffelstab an die Ausrichter der nächsten WM, die in Perth, Australien, am 15. und 16.10.2005 stattfinden wird, übergeben wurde.

Also auf zu neuen Ufern.

Video von der WM 2004 in Norwegen